Toureninfo:
- Tourenname
- "Welser Weg - solo"
- Begehung
- begangen von Bernhard am 2025-06-12
- Gebiet:
- Totes Gebirge
- Berg:
- Schermberg
- Schwierigkeit:
- 3
- Exposition:
- N
- Absicherung:
- BH weit - neu saniert
- Zusätzliche Angaben:
- Sieben Jahre sind ins Land gezogen, seit meiner letzten Begehung dieser Route und zumindest drei seit der letzten relevanten Solotour... also eine Art Standortbestimmung, wie es sich anfühlt, die Komfortzone mal wieder zu verlassen und ob das überhaupt noch geht - und ein Check der mentalen Fitness angesichts von Ausgesetztheiten aller Art; der körperlichen sowieso, schließlich handelt es sich um eine der großen Nordwandfluchten der Ostalpen!
Die große Schermbergrunde also: vom Almtalerhaus durch die Schermbergwand auf alpinem Klassiker und den Grat weiter auf dem Klettersteig zum Gipfel, dann auf dem Wanderweg zur Welser Hütte und zurück ins Tal. Das Ganze bei perfekten frühsommerlichen Bedingungen - ohne Gewittergefahr! Die Restschneelage war geradezu optimal. Im unteren großen Schuttkessel erleichterte das kleine verbliebene Feld die Querung zur Rampe, im oberen "Achter Schuttfeld" war ein Betreten des dort im Frühsommer oft heiklen Schneefeldes (weil steil und hart) gar nicht mehr nötig. Auf dem Weg zur Welser Hütte erleichterten die doch noch üppigen Schneereste den Abstieg enorm. Fast die Hälfte war Abfahrtsgenuss vom Feinsten!
Die Begehungsbeschreibung von 2018 bleibt aufrecht und wird durch einige Infos ergänzt:
1. als Zu- und Einstieg habe ich diesmal den "oberen" Weg gewäht, der sich als deutlich angenehmer erwiesen hat. Also: nach dem Abzweig vom Hüttenweg immer den Begehungsspuren, den BH und der trockenen Bachrinne folgen und oben das letzte Latschenfeld am rechten Rand der Wiesenschrofen ansteuern. Das kann man im oberen Bereich gemütlich überschreiten und kommt ganz leicht in die breite Rinne an deren gegenüberliegender Seite der eigentliche Steig am Rampenband startet.
2. Die Route ist komplett neu saniert. Neue und zusätzliche BH und Schwerlastanker mit Abseilringen, AUCH im oberen Bereich nach dem "Achter Schuttfeld" - für Alleingänger eine angenehme Orientierungserleichterung...
3. ...die ist zwar an sich nicht schwierig, bis auf eine Ausnahme: Die gestuften Aufschwünge in der unteren Latschenzone verlaufen nicht ganz so lotrecht, wie aus der Topo zu entnehmen. Um zum großen Latschenfleck zu kommen, von dem der lange Quergang zum markanten Turm wegführt, muß man einmal, von einem BH weg, eher kontraintuitiv auf Begehungsspuren 10 bis 15 Meter nach links queren und die Felsstrukturen im 2-3 Grad gut 10 Meter hochklettern. Der Latschenfleck ist hier auch von unten schon zu sehen. Der Kletterweg vor und nach dem großen Schuttfeld ergibt sich eher schlüssig aus der Rampen- und Gratstruktur, dennoch fand ich das gelegentliche Auftauchen von bestätigenden "Wegweisern" beruhigend.
4. Die Neusanierungen im Bereich, ausgelegt für Kursbedingungen, erstrecken sich auch auf "Erichs Weg", "Almtaler-Köpfl" u.a. Nordwandrouten. Insbesondere ist auch der nunmehr versicherte "Einstiegs-Quergang" waagrecht entlang des Wandaufschwunges zu erwähnen, der oben vom Hüttenweg wegführt, vor allem um den Weg von der Welser Hütte zu den Wandeinstiegen abzukürzen. Dieser Zustieg bestand bisher eher nur informell.
5. Der Fels ist nicht überall ganz fest! Vor allem am steilen Grat oben heißt es besonders aufzupassen, weil da muß man schon auch zugreifen beim Klettern und dabei in Betracht ziehen, dass sich auch größere Strukturen lösen könnten!
Fazit: Tolle Unternehmung, sehr empfehlenswert auch als MSL-Einsteigertour. Körper und Geist funktionieren (noch) ausreichend - auch für umfangreichere Unternehmungen. UND: es zahlt sich aus, die Komfortzone zu verlassen - nicht (wieder) vergessen!
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