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Toureninfo:

"Konkurs"
begangen von Bernhard am 2017-06-11
Gebiet:
Gesäuse
Berg:
Planspitze
Schwierigkeit:
7-
Exposition:
NW
Absicherung:
BH sehr weit, bewusst zwingend
Zusätzliche Angaben:
Mit Obsi im Frühtau zu Berge..., vor 07.00 Uhr sind wir schon am Wandfuß. Bessere Bedingungen kann man sich nicht wünschen und die Tage sind auch lange um die Zeit. Aus der anmaßend angedachten Planspitzendoublette wurde dann aber doch nichts, weil die Optima war eh genug für ein tüchtiges Tagewerk, mehr als genug! Die vorhandene Absicherung ist extrem weit, dazwischen kaum Legemöglichkeiten. Über die BH-Platzierung kann man diskutieren, wir fanden es aber ein wenig boshaft, wenn 10 Meter über dem letzten Haken, jeweils der schwerste Zug notwendig wird, um den nächsten zu erreichen - und das regelmäßig. Diese, nicht zufällige Sanierungsstrategie kann man alpinethisch argumentieren – muss man aber nicht. Uns gefiel das nicht, auch weil wir durchaus dezent sanierte Routen kennen, die mit menschenfreundlicher Gesinnung eingerichtet wurden, ohne den Faktor Abenteuer zu verlieren; heftiger formuliert: intelligenter, weniger arrogant. Die Bewertung fanden wir teilweise nur mehr zum Lachen. Potentielle Aspiranten mit geläufiger Schwierigkeits-Einschätzung können gut einen Wert höher veranschlagen und die 6A0 Kategorisierung ist zu vergessen. Wer den 6er gerade mal so drauf hat, kommt da nicht rauf! Die BH sind farblich hervorragend getarnt. Abgesehen davon ist die Linie durch die Wand genial, die Kletterstellen herrlich und der Fels so rau, dass es wehtut. Dennoch vielleicht die erste Tour, die ich nicht nochmal machen möchte.
Wir gingen zum eigentlichen Einstieg die beiden leichten SL links über die Rampe, Cracks sollten sich von der irrwitzig anmutenden Optima-Verschneidung nicht abschrecken lassen, wenn sie trocken ist. Die passt gut zum Anspruch der Konkurs und danach weiß man ungefähr was einen erwartet. Als Gradmesser geradezu zu empfehlen! Die erste Konkurs SL startet ganz links am Geröllabsatz und es geht gleich ordentlich zur Sache, allerdings relativ moderat gesichert, mit doch einigen Legemöglichkeiten, vor allem kleine Keilchen. Ein kniffliger Zug nach dem 4. Haken im Quergang, sonst so, wie topomäßig zu erwarten. Danach kein leichter 4er und einige Stände zur Auswahl. Wir nahmen erst den doppelten, oben unterhalb der geraden Bohrhakenlinie. Hier versuchte ich mein Glück, drehte aber nach dem 2. BH um, weil mir Abstand und Schwierigkeit selbst für die 7- Schlüsselstelle absurd erschienen. Wir glaubten uns in der Akropolis, waren aber eh richtig und nach Abseilung neuer Versuch vom tieferen Stand weg. Der Normalhaken auf den Topos fehlt, auch die rissartige Struktur. Es gilt einfach 7-8 Meter senkrecht durch glatte Wand auf Reibung und winzigen Kristallen wegzuklettern – mehrfach. Locker 7 und selbst mit BH als Tritt unbedingt zwingend. Sehr heftig! Danach nervlich zerrüttet, nicht zu hoch weiter (da oben hängen Rückzugsbandschlingen und Karabiner), sondern unterhalb der Dachstruktur beim letzten BH leicht abwärts queren zum Stand. Augen auf! 8. SL wieder mal quer, was der nachsteigende David immer sehr genoss. Überaus diffizil, leider auch nass. Beim zwar relativ neuen, aber nicht besonders tief sitzenden Normalhaken möglichst weit oben bleiben, kurz danach gibt’s Platz für einen mittleren Cam, engagiert weiter zum Stand. Augesetzter Quergang und steil nach oben – die 4er Bewertung wirkt ein wenig zynisch. Ebenso die 6- in der nächsten SL, vor allem oben beim Dachquergang nach links, wo ein vernünftiger Untergriffhenkel nicht und nicht daherkommt und man immens anstrengend, oben mit Fingerspitzen, unten auf Reibung weiterpiazt. Was bleibt auch übrig – wer aufgibt pendelt weit. Dem Nachsteiger geht es ebenso. Eigentlich hätte hier Obsi übernehmen wollen, endlich die genussvollen 5+ SL gerade hinauf, überlegt es sich aber dann doch… und bereut es nicht! Nahezu senkrecht eine (nasse) Wasserrille hoch, jeweils 10-15 Meter zum nächsten Haken, immerhin 4 auf den 50 Metern. Sonst glatte Wand, nur Reibungstritte und die Rauheit für die Finger reicht gerade zum Halten des Gleichgewichts. Als ich die dünne Bandschlinge weit oben (weil der Schlüsselzug kommt ja immer kurz vor dem Haken, wie wir wissen), über ein millimetergroßes Zäpfchen lege, ungewiss ob es überhaupt hängen bleibt, fühle ich mich ausgesetzt wie kaum je. Verflucht wurden abwechselnd die eigene, blödsinnige Courage und die Routensanierer. Was für eine wundervolle, fordernde, anregende Kletterei das sein könnte mit jeweils einem BH dazwischen. So ist es einfach nur dämlich. Zum dritten Haken ginge es noch wahnwitziger 10 Meter weiter in der flacher werdenden Wasserrille. Ich bin links auf etwas heikle Risstrukturen ausgewichen. Zuletzt steile (4er?) Risse und die letzte 5+ SL (hart bewertet ist bei weitem untertrieben), die dann doch nochmal Klettergenuss aufkommen lassen, weil mobile Sicherungen möglich sind.
Abseilen über die Schwerlastanker der Plattensprint können wir jetzt schon fast gut, verbrauchen nur 2 Schraubkarabiner. Dennoch unbedingt empfehlenswert zur Vermeidung des Peternpfad. Highlight sind die freihängenden 60 Meter über die Optimaverschneidung und dann natürlich der weiche, aber doch feste Waldpfad zurück zur Straße. Welch ein Kontrast zur Peternschlucht!
Danke David – waren wir nicht früher auch immer Garanten für heftiges Zeug?

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