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Toureninfo:

"Blue Moon (mit Ausstieg Seeblick)"
begangen von Bernhard am 2020-09-15
Gebiet:
Totes Gebirge
Berg:
Trisselwand
Schwierigkeit:
7+ (6 A0)
Exposition:
SW
Absicherung:
BH sehr gut
Zusätzliche Angaben:
Mit Raoul in Wechselführung an einem Traumtag bei besten, trockenen Felsbedingungen. Super wettersicher, in der Früh schon warm und als sich zu Mittag die Spätsommer-Sonne in die Südwand legte, kam ein wunderbar kühlendes Lüftchen auf.
Eine perfekt abgesicherte 16 SL-Route durch die Trisselwand, parallel (und kreuzend) zu den Nachbarlinien "Seeblick" und "Sommernachtsraum". Durch die blau eingefärbten Laschen ist sie jedoch leicht zu identifizieren. Eine Topo findet sich im Netz auf der HP des Erschließers (Heli Putz).
Beim Wirten am Tressensattel ist alles wie immer, samt Rauch in der Gastsstube und Zirbenschnaps. Der Weg zum Wandfuß vom "Hubschrauber-Landeplatz" ist neu ausgeschnitten und leicht zu finden. Nach einigem Zaudern entschließen wir uns, die ersten beiden SL (5 und 7+!) doch nicht über die Seeblick zu umgehen, sondern alpines Draufgängertum zu zeigen - was bei den engen Hakenabständen eine leichte Übung war. Aber immerhin! Gleich in der Früh (sh. oben... Wirtshaus...) und schlecht aufgewärmt und erst gilts super ausgesetzt über dem Höhlendach nach rechts rüber zu queren und der Fels ist alles andere als fest hier, zum (Hänge-)Stand unterhalb der steilen Verschneidung - das macht Raoul. Dann ich, die Rissverschneidung raufgezittert. Aber wie gesagt, eng gebohrt, dazwischen jede Menge Platz für Cams. Unterm Strich: Raoul greift im Nachstieg gerade zwei mal in einen Haken, das mögen 7er Züge gewesen sein, aber insgesamt bleibt die SL zumeist im kraftigen 6. Grad. Dann wird gemütlich. Erst durch ein wenig schrofiges Zeug noch, dann sanfte Platten 4 und 5, super entspannt, ganz langsam ansteilend höher. Die penibel-exakten 35 Meter SL ergeben oft ein wenig unlogische (Ring-)Stände mitten in der Platte. Da entscheiden wir uns, ein wenig weiter zu klettern und entspannt am Absatz zu stehen - beim einzelnen BH. Ab der 6. SL wird die Plattenschleicherei tendenziell anspruchsvoller, aber deshalb nicht weniger genüsslich. Enge Sicherung, überall prima Leistchen, Schüppchen und Trittchen... Kraxlerei vom Feinsten! Und es wird immer noch besser je weiter es hinaufgeht in Richtung Headwall. Die 13. und 14. SL gehören zu den köstlichsten, die ich je geklettert bin - und das völlig entspannt und angstfrei. Genial anhaltendes und homogenes, Klettern im 6. Grad. Steil, Löcher, Schuppen, Tritte zuhauf - alles löst sich richtiggehend fließend auf, immer schön im Flow, kaum je ist echtes Anreißen nötig. Unterhalb des 14. Standes zieht die Seeblick unten nach rechts vorbei. Hier zweigen wir ab, weil wir uns die letzten beiden SL (7 und 8+) nicht zutrauen. Das haben wir nicht optimal gelöst. Vom Stand klettert Raoul erst weiter nach oben, dann über eine ungute Latschenrampe nach rechts zur Seeblick, kann die BH dort aber erst durch Ablassen von einer Latschen-Bandschlinge erreichen. Ich muss von hier, im Nachstieg dann, ein wenig heikel abklettern. Bessere Lösung: schon vor dem Erreichen des 14. Standes der Blue Moon, gleich den BH der "Seeblick" bis zu deren Stand folgen. Die anschließende (vorletzte) Seeblick-Länge (7. Grad) erschien uns im Vergleich um einiges heftiger. Sowohl hinsichtlich der Bewertung, als auch der Absicherung. Ich plage mich redlich und zittere auch wieder. Engagiertes Wegklettern ist wieder gefragt, mit mobilen Zwischensicherungen schauts nicht so gut aus. Auch Raoul ist von der veränderten, ruppigeren Realität aus der Bahn geworfen und zeigt Tendenzen, den Vorstieg in der letzten SL zu verweigert. Er lässt sich dann aber leicht motivieren und genießt die supersteilen 20 Meter zum Ausstieg, die sich um einiges entgegenkommender zeigen als die davor, in vollen Zügen. Der versöhnliche Abschluss eines wahrlich famosen Klettertages!
Auf der Terrasse beim Wirten lernen wir dann noch einen der Erschließer der "Seeblick" kennen und staunen über die "hoabuachanen" Geschichten eines in der Wolle gefärbten Alpinkletterers.

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