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Toureninfo:

"Pythagoras (Abbruch)"
begangen von Peter am 2019-06-30
Gebiet:
Gesäuse
Berg:
Zinödl Nordwand
Schwierigkeit:
8+ (6+obl.)
Exposition:
N
Absicherung:
gebohrt, mobiles Zeug wichtig
Zusätzliche Angaben:
Auf die Tour bin ich gekommen, als ich auf der hp der Erstbegeher (Stichwort: cormario) vor knapp 2 Jahren einen zweiteiligen Bericht über den Hergang dieser ihrer Erstbegehung gelesen habe.
Der Bericht war sympathisch erzählt, unterhaltsam und uneitel.
Die Schwierigkeiten der Tour schienen vielleicht im noch für uns machbaren Bereich zu sein. Also ein neues Projekt, noch dazu im Gesäuse. Cool.

Zinödl Nordwand, das Wandfoto im Bericht war ziemlich eindrucksvoll.
Man kann die Wand vom Parkplatz Kummerbrücke (da wo der Wasserfallweg runterkommt) auch schon ziemlich gut sehen.
Die Tour hat 12 SL, ist von der Schwierigkeit her bis auf 2 SL eigentlich relativ human und für Gesäuseverhältnisse sehr gut abgesichert.
Trotzdem muss man immer wieder was legen.
Am besten man nimmt Cams 0,4 bis 2 mit, plus mittlere Keile.
Topo ist im Netz zu finden.

Leider haben Peter und ich es zeitlich nicht geschafft, die ganze Tour zu klettern, obwohl wir um 6 Uhr früh aus Wien weggefahren sind (für uns ist das früh… :-)) und die Bedingungen an dem Tag optimal waren.
Grund war einerseits der Fakt, dass ich das Halbseil, das ich rauftragen sollte, im Auto liegen gelassen hatte. Nach der Hälfte des Zustiegs (45‘) bemerkt…
Kurzer Ärger, Rucksack abstellen und wieder runter zum Auto und retour nach oben…
Peter war inzwischen weiter zugestiegen und sah einer zweiten Seilschaft zu, die vor uns war und in dieselbe Route eingestiegen war.
Jedenfalls verloren wir 1 Stunde bei dieser Aktion…
Aber auch ohne dieses Fehlers wärs zeitlich zu eng geworden.

Das hat damit zu tun, dass es im oberen Teil des Zustiegs auf etwa 60 m Länge ziemlich heikel ist, etwa 10 m davon waren (würden wir sagen) etwas gefährlich.
Wir wollten deshalb auf jeden Fall genug Zeitreserven haben, um (nach dem Abseilen) diese heiklen Passagen im Abstieg auf jeden Fall noch im Hellen gehen zu können.
Bei Nässe ist dieser kurze Teil sicher sehr gefährlich.

Der heikelste Bereich ist ein erdiger Aufschwung, der besonders im Abstieg kaum Halt bietet (mir haben meine Stöcke hier sehr geholfen!).
Orographisch re. von diesem Aufschwung ist ein Abbruch in die Schlucht, die unter der Nordwand raufzieht.
Nach diesem Aufschwung quert man (im Aufstieg) unweit vom erwähnten Abbruch über Wurzelwerk nach links und muss dann nochmal unangenehm etwa 25 m steil auf Graspölstern aufsteigen zu einigen Nadelbäumen.
Wir fänden es echt sinnvoll, diese gesamte, etwa 50 m lange Passage mit Fixseil abzusichern und weiter im Osten (Hohe Wand, Höllental) wär das vermutlich schon so.
Wir haben auch überlegt, das selbst in die Hand zu nehmen. Mal sehn… aber wahrscheinlich wird wieder die Zeit nicht reichen dafür.

Kurz danach kommt man dann zu einer Stelle, die einen in die Irre führen kann.
VORSICHT!
Es ist da, wenn mans noch nicht kennt, zunächst kein Weiterweg mehr zu sehen, außer einer Art Kamin, den man abklettern könnte.
Das ist aber viel zu schwierig ohne Seilsicherung und mit Rucksack sowieso ein Unding. Ich dachte aber zuerst, dass Peter (und die zweite Seilschaft, die direkt vor der Stelle ihre Stöcke zurückgelassen hatte,… das machte ich dann auch), da wohl runtergeklettert sind.

Ich hatte Empfang und wollte Peter schon anrufen und fragen, was er da gemacht hat. In diesem Moment wurde mir dann aber klar, dass ich mich knapp 10 m nach orografisch rechts entlang einer schmalen Felsstufe rüberhangeln musste (geht recht sicher) und so in sicheres Terrain komme.

Der Rest des Zustiegs ist zwar nicht mehr gefährlich, war aber sehr mühsam zu gehen. Es ist nicht mehr weit, aber es sind auf diesem Stück noch recht viele Höhenmeter im großen Kessel unter der Wand zurückzulegen.
Von links kommend quert man zuletzt entlang des Wandfußes zum Einstieg unter der Verschneidung (Lasche am Einstieg).

Die erste schwere SL ist gleich die 45 m lange Startlänge, eine lange Verschneidung, mit 7+ (7- obl.) bewertet.
Etwas überbewertet aus unserer Sicht. Wir würden sagen, 7-/7 wär treffend.
Die Grünbacherverschneidung (7-) auf der Hohen Wand find ich zb schwerer. Aber gut, die ist auch schon um einiges älter.
Die SL beginnt gleich spannend mit kleinem Runout zum ersten BH im 5. Grad.
Man kann (und soll) aber gut was legen.
Peter kämpfte sich die SL langsam nach oben, eine SL die lange spannend bleibt, da sie nicht wirklich weit, aber auch nicht wirklich plaisirig gesichert ist.
Das ist in Wahrheit wohl auch schon die Schlüssellänge und man hat es viel leichter, wenn diese SL trocken ist!
Ich würde (ähnlich wie die Erstbegeher) raten, mindestens 3 Schönwettertage abzuwarten, bevor man einsteigt, grad für die erste SL!

Danach eine 6er-Länge, die ihre Crux gegen Ende unter einem Überhang hat.
Musste da im Vorstieg hängen, um das Links-Rausklettern richtig anzusetzen.
War zu dem Zeitpunkt auch schon etwas gepumpt und froh, unterm Überhang noch klinken zu können, bevor ich rastete.
Nach der kurzen Linksquerung noch einen 1er-Cam setzen und rauf zum Stand.
Als Peter diese 2. SL nachgestiegen war, waren wir bereits fast 2 Stunden in der Wand!

Ich war überhaupt lange Zeit in der Tour sehr angespannt, was ich selten hab.
Die Ausgesetztheit in diesen Gesäusetouren und speziell in dieser argen Wand ist für mich einfach noch extrem.

In der 3. SL, 4+, waren auf 45 m 3 BH drin.
Der erste kleine Aufschwung, hinter dem eine Lasche ist, war für Peter sehr ungut. Ich tat mir im Nachstieg dort relativ leicht.
Der Weiterweg war relativ logisch.
Man muss letztlich zu dem kleinen Bäumchen rechts oben und an diesem links vorbei noch einige Meter weiter zu Stand.

Danach kamen schöne Rampen-SL in der 4. SL (5+) und der 6. SL (4+).
Die 4. SL beginnt etwas ungut blockig, wird danach aber in der Rampe sehr schön.
Die 5. SL dazwischen ist besonders schön (5+).
Zuerst ausgesetzte Querung nach links und dann sehr schöne Züge an einem Pfeiler nach oben.

Nach der 6. SL dann die schwerste SL der Tour, 8+, aber nur 6+ obligat.
Man kann dort wirklich mehr oder weniger durchnullen.
Etwa die erste Hälfte der SL kann man noch ganz gut frei klettern (lt. EB 7-, vielleicht aber nur 6+), aber dann wird’s richtig hart.
Peter kämpfte sich mit Bergsteigerschlingerl von einem zum nächsten BH und zum Stand.
Ich brauchte auch immer wieder Zug von ihm da oben.
Es gab aber nur eine Stelle, die ich nicht verstanden habe.
Ansonsten hats an der Steilheit und der mangelnden‚ 'unmenschlichen' aber nötigen Kraftausdauer gelegen, die mir ein freies Klettern unmöglich gemacht hat.

Als wir dann beide beim Stand waren, war es genau 17 Uhr und wir waren beide der Meinung, dass es jetzt, wo wir die Abseilpiste erreicht hatten, Zeit war umzukehren.
Die Tour geht ja tendenziell immer leicht schräg nach links oben und ein Rückzug bis nach der 6. SL ist wohl möglich, aber sicher unangenehm und würde Materialopfer erfordern.
Es folgt nach der 7. nur noch eine schwerere Länge, nämlich die 8., mit SG 6/6+.

Statt diese noch anzugehn, sind wir also über die Abseilpiste in fünfmal (abseits der Routenlinie) abgeseilt, zweimal davon freihängend.

Am Abstieg ging das Zurückhangeln ganz gut.
Danach - für die unguten Grasstufen - nahmen wir ein 60er Halbseil raus, legten es um den orogr. linkesten Baum und hielten uns an diesem Seil beim Runtersteigen an, was auf die Art sehr gut ging.
Die noch heiklere Erdpassage danach mussten wir seilfrei bewältigen (Stöcke wie gesagt hilfreich!).

Der Fels ist größenteils sehr gut, immer wieder etwas flechtig, oft aber extrem rau und wasserzerfressen.

Mir hats sehr getaugt.
Ich will die Tour eigentlich auch unbedingt fertig klettern. Kommt hoffentlich noch.

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