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"Paulas neue Welt (1. - 12. SL)"
begangen von Bernhard am 2019-06-15
Gebiet:
Reiteralpe
Berg:
Übeleck
Schwierigkeit:
6+
Exposition:
N
Absicherung:
BH - anspruchsvolle Abstände
Zusätzliche Angaben:
Paulas Welt war auch für Jakob und mich neu, bei unserem ersten Ausflug in das Klettergebeit um die Reiteralpe. Dabei verschlägt es uns, eher unvermutet, am Abend er Anreise in ein wildromantisches urbayerisches Hinterland, mit klassischer "Brotzeit" im Jagdwirtshaus (im Schatten des ausgestopften Steinadlers) und sehr frühmorgendlichem Zustieg durch sehr wilden Bergwald über Stock und Stein.
Die erste Hitzewelle des Jahres soll spätestens Mittag vorbei sein und wir haben einen Abbruch mit ohnehin obligatorische Abseilung eingeplant.
Der Zustieg kostet uns durch die kaum vermeidbare Wegsuche 2 Stunden und ohne die frisch angeschafften Grödeln hätten wir die Querung des steilen Schneefeldes zum Einstieg wohl kaum riskiert. (Diese Teile bewehrten sich übrigens dann auch beim Abstieg auf steilen Waldwiesenschrofen im Regen überaus genial). Die Route ist schon von der Straße aus zu sehen und wirkt wie ein düsteres, nasses, brüchiges, verwachsenes Schrofengraus. Dementsprechend überrascht und beeindruckt waren wir, als sich nach dem Vorbau eine brachiale, mächtig steile, trockene, vegetationslose Wand aufbaut, mit famoser Feldqualität und einer Rauheit die kaum in Worte zu fassen ist. Am Ende der Tour tun die Fingerkuppen zur Abwechslung mal genauso weh, wie gewöhnlich die Zehen und dass die lädierten Finger das Klettervermögen limitieren, haben wir beide so noch nicht erlebt. Wir klettern in Wechselführung.
Die ersten 4 SL geht´s über eine Art Vorbau mit kürzeren Wandeln und netten Kletterstellen dort, die schon einen guten Eindruck zur Felsstruktur geben und zur Absicherung. Die wird ihrem Namen gerecht, dienst der Sicherheit, ist keine bloße Aufstiegshilfe und erfordert einen ambitionierten Kletterer, der die sportliche Herausforderung annimmt und die Schwierigkeiten halbwegs beherrschen sollte. Die Tour wurde offenbar von harten Jungs bewertet! In der 5. SL beginnt die Hauptwand und es geht links aufwärts entlang der ausgeprägten Rissverschneidung. Die Haken sind farblich perfekt mit dem Fels verschmolzen und vom Stand praktisch nicht zu sehen. In der 6. SL die erste, sehr kräftige 6+ Stelle über einen Blocküberhang, die nicht auf Anhieb gelingt. Der Haken sitzt in beruhigender Höhe, zum Drüberkommen hilft er nicht. In der 8. SL geht's richtig los. Wirklich richtig steil und uns wird wieder mal bewusst, was "Wegklettern" bedeutet. Es ist nie leichter als harte 5 und das immens anhaltend. Nach 4 Haken zweigt die "Toni" links ab - also rechts halten. Die in der Topo eingezeichneten letzten 3 Haken verlaufen tatsächlich nicht ganz so waagrecht, eher nach oben. Zuletzt kann man sich unten im ausgeprägten Quergang zum Stand hin halten. Eine beeindruckende Verschneidung zieht nach oben weiter. Jakob übergibt den Vorstieg nach mehreren Versuchen. Am oberen Ende des Risses ist eine gewisse Kaltblütigkeit nötig, um sich den erforderlichen weiten Blick zum Finden der Griffe zu bewahren. Die 10. SL nochmal deutlich schwerer und sehr fordernd. Zum Glück gibt's hie und da Platz für einen Cam, gerade auch in der schwersten Stelle. Jakob mag nicht mehr recht, aber zwei SL gesteht er mir noch zu. Irre schönes Klettern auf fingermordendem Schmirgel. Unserer letzte, die 12. SL ist symptomatisch für die Tour, schwer, anhaltend und moralisch anspruchsvoll. Die 5+ oberhalb vom Stand ein echter Kracher und 8 Meter zum Haken. Den Cam kann man mit links, tastend, ohne optische Kontrolle im Fingerriss platzieren - eine gewisse Routine im Umgang mit so was ist hier dann doch vorteilhaft.
Oben hänge ich um, Jakob lässt mich zum Stand zurück ab. Sein Drängen auf Abbruch ist eine kluge Entscheidung, vor allem auch weil sich die angekündigte Störung mit Gewittern durch vereinzelte Regentropfen ankündigt. Das spektakulär luftige Abseilen über die top eingerichteten Stände funktioniert reibungslos, nur zuletzt über die Vorbauschrofen ein wenig zach. Wir haben im Aufstieg schon, von oben gut sichtbare "Landeplätze" (weiße Papierblätter) markiert und empfehlen diese Taktik.
Unten angekommen beginnt der Regen und im Wald dann ein richtig ordentliches Gewitter mit richtig Regen, aber vom Blitz schützen uns die Bäume und die Grödeln davor hinunterzukugeln. Ohne die hätten wir uns über die nassen Laub-, Gras-, Gatschschrofen gewutzelt wie die Wildschweine. So waren wir zwar nass bis auf die Unterhose, aber nicht gar so dreckig.
Eine starke alpine Unternehmung, die wir weiterempfehlen und... wir kommen wieder!

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