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Toureninfo:

"Westgrat Großvenediger Versuch"
begangen von Davidov am 2013-08-21
Gebiet:
Venedigergruppe
Berg:
Großvenediger
Schwierigkeit:
?
Exposition:
W
Absicherung:
nix - alpin
Zusätzliche Angaben:
Wir kommen erst spät zum Parkplatz (23:00) und entscheiden uns an diesem Abend nicht mehr zur Johannishütte zu marschieren. Dafür gehts am nächsten Morgen um 5:oo los. Um Sieben gibts dann ein gemütliches Frühstück bei der Hütte zwischen Halbpensionsgästen. Der Wirt versichert uns abermals, dass die Gipfelrinnen gut gangbar sind (wir sind weitherhin skeptisch) - das Wetter ist aber traumhaft angesagt. Um halb Acht gehts weiter Richtung Gletscher ziemlich lange das Tal nach hinten. Mittags erreichen wir dann, nach recht mühsamen Marsch über Moränen den Gletscher. Hier sieht man gut in die absolut aperen Gipfelrinnen (Schande über den Verfall der ehemals großartigen Zunft des Wirtentums). Der Gletscher ist recht steil und Spaltenreich. Die Eisschrauben bewähren sich hier. Also entscheiden wir uns gleich zum nächst gelegenen Firnfeld, welches hinauf zum Grat führt zu gehen. Das Firnfeld selbst ist ziemlich steil (sicher über 40°) und überaus anstrengend. Viel zu spät wechseln wir von Alpinstecken zu den Eisgeräten. Wir gehen in Wechselführung und sichern mit totem Mann. Die Rastpausen am Stand sind immer bitter nötig um die Lungen freizublasen. Wir sind in körperlich recht schlechter Verfassung. Die Höhe und die Anstrengung des bisherigen Tages zeigen sich, recht früh wie sich später herrausstellt, denn es sollte noch ein recht langer werden. Um ca. 16:00 erreichen wir eine steile Felsrippe die uns in 3 Seillängen bis zum eigentlichen Grat führt. Hier wäre eigentlich der richtige Zeitpunkt gewesen um umzukehren, aber der Gipfel wirkt so nah und von dort sind es nur wenige 100 hm bis zum Defreggerhaus. Also weiter hinauf und mühsam dem Grat folgend. Das Seil verhängt sich scheinbar in jeder einzelnen Ritze, auf jeder Felsspitze und nach 20m wird die Seilreibung meist unerträglich. Auch das zu Zweit am Seil gehen kann das Tempo nicht wirklich steigern. Um 18:00 kommen wir zu einer schwierigeren Stelle. Wir haben uns jetzt eine Stunde den Grat entlang gekämpft und haben vielleicht 7-8 Seillängen hinter uns gebracht. Vor uns liegen sicherlich noch 20. Wir haben keine Topo, und wissen auch nicht über die Schwierigkeit bescheid. Jakob drängt auf Umkehr und David sieht das auch nach kurzem Überlegen ein. Uns ist beiden klar was das bedeutet (zumindest glauben wir das). Wir haben beinahe 12 Stunden von der Hütte bis zur jetztigen Stelle gebraucht und es liegen noch ein blöder Grat und der Gletscher dazwischen. Wir sind wirklich bis ans äußerste erschöpft und die Stimmung ist auf dem Tiefststand. Wir schaffen es dennoch relativ flott bis zu der Stelle, wo wir auf den Grat gelangt sind. David wird abgelassen und Jakob klettert ab. Die letzte Seillänge seilen wir von einem Köpfel ab. Wir sind am Schneefeld und es beginnt zu dämmern. Das Absteigen funktioniert zügig und unsere Stimmung bessert sich wieder. Wir begutachten dabei von oben den Gletscher und beschließen ihn nicht wie beim Aufstieg direkt, sondern weit nach Westen bis zum Törl zu queren und somit die Spalten zu umgehen, die wir in der Finsternis meiden wollen. Dieser Plan funktioniert auch so gut, dass wir tatsächlich um 21:00 am Fuße des Gletschers stehen. Es ist mittlerweile stockdunkel, nur der Vollmond leuchtet uns. Wir sind wieder relativ gut gelaunt und geben uns der irrigen Annahme hin, dass wir um spätestens Mitternacht wieder bei der Johannishütte ankommen werden. Doch die Moränen nehmen kein Ende. Waren die beim Aufstieg wirklich auch so endlos? Mühsam quält man sich von einem Felsblock zum nächsten. Die Anstrengung des Tages schlägt nun bei uns beiden endlich so richtig an. Jakobs Hüfte schmerzt unerträglich und verlangt regelmäßigen Pausen. Während diesen bemühen wir uns wirklich nicht einfach die Augen zu schließen und liegen zu bleiben. Aber weit kann es bis zur Hütte ja nicht mehr sein. Rucksack umpacken. Da lang - Ja da müssten wir den Fluss überquert haben, nein doch nicht - Pause, wieder aufraffen - weiter, weiter wir müssen weiter. Weit kanns ja nicht mehr sein bis zur Hütte. Die Flussbiegung kennt man doch. Wir gehen - Vorsichtig einen Fuss vor den anderen setzten, damit der Pickel nicht zu hart gegen die Hüfte schlägt. Es wird etwas surreal. Aufwachen wäre jetzt schön. Aber wir müssen. Weit kanns ja nicht mehr sein. Gottseidank hab ich zwei Stecken - man torkelt zwar betrunken; fällt aber nicht auf die Schnauze. Endlich die Forststraße. Weiter. Wir sehen die Hütte. Jetzt sind wir quasi da. Warum die Berg hinab und wieder hinauf um einen Felsen herum EINE STEINBRÜCKE?! irgendjemand will uns verarschen. ENDLICH DA! Aber die Tür ist zu. Wo ist der Notrraum. Wir durschtöbern jeden Schuppen der sich öffnet. Egal - Da sind Matten von Sonnenliegen und ein kalter Lagerfußboden. Endlich die Augen zumachen dürfen. Schüttelfrostnacht, Beine mit Jacke zudecken. 6:oo es ist hell. Rein in die Hütte - es ist einfach zu kalt hier. "Habt's ihr keinen Notraum?" Antwort: "Wieso warts in Not? Nein haben wir nicht." Taxi - ins Auto und Nachhause. Das alles war einfach fast schon zu hart.
Für diese Tour empfehlen wir Winter und Ski, andernfalls mehr Zeit einplanen!

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